Wissen · Fotografie
Was ist Live Stacking?
Live Stacking heißt: Das Teleskop macht fortlaufend kurze Belichtungen, richtet sie an den Sternen aus und mittelt sie, während du zusiehst. Jede neue Aufnahme senkt das Rauschen, sodass schwache Details langsam sichtbar werden. Viermal so viele Aufnahmen ergeben etwa halb so viel Rauschen.
Warum nicht eine lange Belichtung?
Ein kleines Teleskop auf einer azimutalen Montierung kann keine einzelne Belichtung von einer Stunde machen: Die Sterne würden Strichspuren ziehen, das Bildfeld würde sich drehen, und ein einziges vorbeifahrendes Auto oder ein Satellit würde alles ruinieren. Mit kurzen Belichtungen von 10 bis 30 Sekunden umgehst du all das. Einzeln sind sie verrauscht, aber es sind viele.
Was mit jeder neuen Aufnahme passiert
- Das Teleskop findet die Sterne in der neuen Aufnahme und verschiebt und dreht sie so, dass sie zum bisherigen Stack passt.
- Aufnahmen mit Strichspuren, Wolken oder schlechtem Fokus werden bei den meisten Modellen automatisch aussortiert.
- Die neue Aufnahme wird in den Stack gemittelt, und das Ergebnis wird gestreckt, damit schwache Bereiche auf deinem Bildschirm sichtbar werden.
Warum das Rauschen sinkt
Rauschen ist zufällig: In einer Aufnahme ist ein Pixel etwas zu hell, in der nächsten etwas zu dunkel. Das Licht des Nebels ist jedes Mal gleich. Wenn du N Aufnahmen mittelst, bleibt das Signal, und das Rauschen schrumpft mit der Wurzel aus N. Vier Aufnahmen halbieren das Rauschen, hundert Aufnahmen verringern es auf ein Zehntel. Deshalb wird das Bild in den ersten Minuten schnell besser, und später kommen die Fortschritte langsamer.
Derselbe Nebel nach immer mehr Aufnahmen
Wie lange solltest du stacken?
Helle Objekte wie der Orionnebel oder der Ringnebel sehen nach 10 bis 20 Minuten gut aus. Bei schwachen Galaxien und großen, lichtschwachen Nebeln lohnen sich ein bis drei Stunden, am besten verteilt über mehrere Nächte. Lichtverschmutzung fügt Rauschen hinzu, daher brauchst du in der Stadt mehr Zeit für dasselbe Ergebnis. Das Beispiel unten und unser Fotosimulator zeigen den Unterschied.
Live Stacking oder spätere Bearbeitung
Der Live-Stack ist ein schnelles Ergebnis für den Bildschirm. Wenn dein Teleskop die Einzelaufnahmen speichert, kannst du sie später am Computer mit kostenloser Software wie Siril neu stacken und mehr aus denselben Daten herausholen: schlechte Aufnahmen gründlicher aussortieren, Gradienten entfernen und die Farben sorgfältig bearbeiten.
Weitere Ratgeber
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